Autorinnen

 

Karin Mettke-Schröder

 

Petra Mettke


Warum schreibt man?

Der Frühling eines Autorenlebens zeichnet sich durch einen Überschuss an Aufmerksamkeit und Energie aus, weil er dem Stadium der Jugend nach der Pubertät gleichkommt. Er ist nur ein schmales Zeitfenster optimaler Aktivität, wo die Welt einen zu Füssen zu liegen scheint. Dieses schmale Zeitfenster, wo sich die Konfiguration des zukünftigen Lebensweges vollzieht, ragt wie ein Obelisk aus dem Meer der Erinnerungen und funktioniert auch so. Er ist die Säule, an die man sich lehnen und die schönste Zeit des Lebens noch einmal nachfühlen kann. Es ist auch die unwiederbringliche Zeitspanne des Lernens und Experimentierens, wo das Handwerk erworben wird, für das, was man werden will. Es ist nicht die Zeit der ausgereiften Werke.

Der Sommer des Lebens ist der Prozess geistiger Reifung und der Entstehungszeitraum der Werke. Hier kann nur vollendet werden, was ausprobiert wurde. Es ist die Zeit, die einmal Lebenswerk genannt wird. Der Schaffensdrang hält den Blick stets auf die Zukunft gerichtet und lässt den Obelisken aus den Augen verlieren.

Der Herbst des Lebens ist das Alter. Wir sind auf alles vorbereitet, aber nicht darauf. Es ist die Zeit der Bilanz, in der der Frühling die Bedeutung erfährt, die man ihm vorher nicht zubilligte. Nicht das Lebenswerk erfüllt einen dann mit Stolz, sondern der Anbeginn, der Zeitpunkt mit der richtungsweisenden Entscheidung. Wenn man nichts im Leben bereuen möchte, muss man am Ende mit dem Anfang sympathisieren können.

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