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Bernadette Maria Kaufmann

Gigabuch Winkelsstein Band 9

Druckskript

Petra Mettke/Gigabuch Winkelsstein 09/Der siebente Himmel der Verzweiflung/Druckskriptcollage 2013

Petra Mettke

 

Der siebente Himmel der Verzweiflung

 

™Gigabuch Winkelsstein 9

Roman

2013

37 Seiten (bislang digitalisiert)

Winkelsstein Saga 9

Poeta – Werk des Teufels

 

1. Poeta Bella – Fluch der Schönheit

 

Band 9

Der siebente Himmel der Verzweiflung 

 

Band 9

Kapitel 119

Der Blickfang

 

Kapitel 120

Das Instrument

 

Kapitel 121

Die Ankündigung

 

Kapitel 122

Der Jasageeffekt

 

Kapitel 123

Das Schlüsselloch

 

Kapitel 124

Die Kosmo – Gangart

 

Kapitel 125

Die Liebesleiden

 

Kapitel 126

Die Heilswege

 

Kapitel 127

Die Entropiephase

 

Druckskriptordner

Leseprobe aus dem Gigabuch Winkelsstein Band 9

1. Poeta Bella – Fluch der Schönheit 

 

Poeta Bella 

Fluch der Schönheit

Schönheit

werde dein Schicksal

Schönheit

höhle aus dein Herz

Schönheit

sei dein Leben

Schönheit

bringe dir Schmerz

 

 

Schönheit

sei der Preis

Schönheit

erwachse zur Bürde

Schönheit

werde dein Fluch

Schönheit

hat keine Würde

 

 

Schönheit

ernährt das Neiden

Schönheit

schürt das Hassen

Schönheit

wirkt toxisch

Schönheit

muss es wehrlos zulassen

 

 

Schönheit

erstickt am Vorurteil

Schönheit

endet in Einsamkeit

Schönheit

ist nur eine Ware

Schönheit

sei dein auf Ewigkeit

 

Leseprobe aus dem ™Gigabuch Winkelsstein Band 9 in PDF

Leseprobe aus dem ™Gigabuch Winkelsstein Band 9 in PDF
Der siebente Himmel der Verzweiflung
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aus Kapitel 119 - Der Blickfang

Die Probe dauerte mit allen Auftritten zwei Stunden und danach freute sich wirklich jeder, es hinter sich zu haben. Claudius wollte Sarah unbedingt nach der Brosche fragen, traute sich jedoch nicht offen in ihre Nähe. Das wussten Silva und Mathi, die instruiert waren, Claudius zu helfen mit Sarah Kontakt zu knüpfen. Natürlich als Geheimmission, geheim einzig und allein, vor Claudius. Alle wussten es, außer ihm. Mathi und Silva sorgten dafür, dass Claudius vor den anderen Mädels bewahrt wurde. Es gab genug andere Mädels, die es auf Claudius abgesehen hatten. Das war grundsätzlich der Geschwisterjob, jeder brauchte ihn, jeder tat ihn. Von Anfang an lernten die Geschwister sich gegenseitig zu schützen, abzuschirmen, aufzupassen und einander zu helfen. Alles im Rahmen von Anstand und Etikette. Das oberste Ziel vom Schwarmverhalten im öffentlichen und privaten Zusammentreffen galt dem Vermeiden unerwünschter Konsequenzen, aus denen sich Skandale aufschaukeln konnten. Daher benötigten alle eine gewisse Vorbereitung vor jedem Termin, der die Liste beinhaltete, wer mit wem und wer nicht mit wem. Die Geschwister wuselten viel herum, trennten Gesprächspartner oder führten sie nach Plan zusammen. Winzige Signale genügten, um sich aus einer Situation heraushelfen zu lassen. Alles lief standesgemäß und geübt ab, es hatte sich perfektioniert. Umgekehrt bedeutete das, obwohl man ein geladener Gast war, kam man nicht an jeden heran und das machte die Winkelssteiner unnahbar. Außerdem vermieden sie prinzipiell die arrogante Herablassung, die problemlos Distanz schaffte, sie traten nicht dünkelhaft auf, um keine Unterschiede zu provozieren und sie verhielten sich nicht blasiert. All der Verzicht auf funktionierende Methoden sich Unerwünschtes vom Halse zu halten, bedingte andere Formen der Abschottung. Und das hatte seinen Preis.

Einer, der sich damit bestens auskannte, war Simon Geromund. Viel stärker als Claudius musste er die Zurückhaltung wahren, obwohl er am liebsten manchmal zurückgeschlagen hätte. In sein Lebensstammbuch trat der winkelssteinische Fluch der Schönheit ein. Simon stach mit seiner begnadeten Schönheit alle im Klan aus. Aufgrund der Eleganz seiner Gesichtsmuskulatur und der nahezu perfekten Symmetrie wirkte er außergewöhnlich schön. Dazu kam noch eine Laune der Natur, seine beiden Mundgrübchen. Sie bogen sich nach oben, wodurch die Mundwinkel dauerhaft hochgezogen aussahen. Wenn Adonis der Inbegriff der Schönheit war, dann war Simon der freundlichste Schönling. Der geheimnisvolle Hauch eines Lächelns schmückte sein Antlitz und verging auch nicht, wenn er sprach. Er musste schon eine Fratze ziehen, um die Mundwinkel herunter zu ziehen, er lächelte, auch wenn er ernst war. Dieser Anflug von freundlichen Entgegenkommen schmückte ihn, seine forschen, klugen Augen machten ihn interessant. Obwohl seine Augenfarbe nur gewöhnlich braun war, im Gesamtpaket seiner Erscheinung funkelten sie aufregend anziehend, als lächelten auch sie. Für Simon lag der Preis am höchsten.

Am nächsten Tag fand die Trauung statt und da gab es wieder diese Bewährungsproben. Simon Einfried stand mit schlotternden Knien vor dem Altar als Bräutigam, doch alle Augen in der großen Kathedrale richteten sich auf Simon Geromund, der lediglich der Trauzeuge war. Simon Einfried hatte Angst vor der Druckwelle forschender Augenpaare, eine Sinnkrise demoralisierte ihn deswegen. In seiner kurzatmigen Panikstimmung spürt er, wie die Last der Aufmerksamkeit an ihm vorbei glitt und seinen Bruder traf. Es erleichterte ihn sichtlich. Simon Geromund hingegen hatte den Auftrag, sich voll und ganz mit der Unsicherheit des Bräutigams zu befassen und ihm beizustehen. Das tat er schon aus Geschwisterjobgründen. Doch heute würde es für den Bräutigam sehr heikel werden, da er eine solche Aufmerksamkeitswucht zu Händeln nie trainieren musste. Beide wollten, dass Simon Geromund Simon Einfried die Show stahl, bis die holde Braut alle verzaubern würde und der Druck verschwand.

Schon weil sich Simon Geromund nicht um die Gäste kümmern konnte, steigerte es die Anstarrenergie. Auf Simon Geromund lag eine gewaltige Kraft, die durch die Bündelung eine erschreckende Abtastung bedeutete. Es lag Gutes wie Schlechtes in diesem Beschuss von Blicken und daher konnte man die Summe dessen nur wegstecken und sicher bleiben, wenn man damit umzugehen gelernt hatte.

Die Winkelssteiner hatten ein traditionelles Problem mit der Schönheit, welches Poeta Bella hieß und wodurch es einen probaten Lehrplan gab, wie man mit dieser spezifischen Art von Beanspruchung psychisch gesund bleiben und zufrieden leben konnte. Die Schönheit stigmatisierte die Winkelssteiner in jeder Generation und wo sie auftrat, entfachte sie Neid und Hass. Diese beiden Eigenschaften ließen sich jedoch mit der vornehmen Zurückhaltung schlecht in Einklang bringen. Sie stellten im Grund zwei Seiten einer Medaille dar und gehörten zur Erblast.

Es geschah im Jahr 917, als der schöne Erhard Roman Fürst von Winkelsstein (898-924) war und er den Missionar Ambrosius Vespex Asyl gewährte. Damit verursachte er einen Krieg. Der Häscher Ambrosus‘ hieß Bischof Leo von Ranting und er verfluchte daraufhin die Winkelssteiner mit der Poeta. Die Poeta wurde zur Sammlung aller Flüche, die das Finstere des Mittelalters darstellten und Winkelsstein betrafen.

Der Missionar erarbeitete postwendend Methoden zur Abwehr von Flüchen gegen die Schönheit und stellte einen Katalog an Verhaltensregeln auf, der gegen Mobbing helfen sollte. Simon Geromund hatte inzwischen 750 Regeln gelernt, die jedem Winkelssteiner zugemutet wurden, der mit dem Prädikat schön ausgezeichnet war. Er sollte eine Chance bekommen, ein genauso unauffälliger Charakter werden zu können wie die Anderen. Seine Lieblingsmutter Madeleine konnte ihm die andere Seite gut erklären, weil sie sich als Kind durch die Schönheit ihrer Schwester Valerie auch zurückgesetzt fühlte. Ansonsten zählte Azo zu seinen Lehrmeistern, dem es genauso erging wie ihm, aber auch Maurice und Jonas kämpften mit dem Problem.

Das Regelwerk bestand aus Grundregeln und Situationsregeln. Zu den Grundregeln gehörten die Erkennung von Auslösemomenten von Neid, Hass oder Ärger bei anderen, und zwar als Reaktion auf Schönheit. Sie legten jede Art der abwertenden Emotionen aus und kannten einen Trick, sie zu neutralisieren. Praktisch musste ein Mensch mit dem Prädikat schön sehr nüchtern und illusionslos auf andere zu gehen, sie analysieren und in die entsprechenden Kategorien einordnen. Dann gab es für jede Reaktionsmöglichkeit eine Verhaltensempfehlung. Alle Regeln besagten, die Schönheit sei der Konfliktverursacher, Schönheit provoziert. Also lag es auch in der Hand des Schönen, den Konflikt zu vermeiden oder zu entschärfen und nach einer Balance zu suchen. Simon lernte die Heftigkeit der Blicke messen, mit denen er angesteuert wurde. Im selben emotionalen Maß ging er auf diese Person zu. Er sah die Blicke wie einen Wellengang und er hielt dagegen. Das automatisierte sich. Dennoch spornte er jeden extra an, sich in der ständigen Bewusstheit zu halten, um die geringste Wahrscheinlichkeit von Unmut zu orten und ihr zuvor zu kommen.

Diese erlernte Fähigkeit war keine von der Art, die man mit Befriedigung erledigt. Das Zuvorkommen müssen, ließ den Schönen nie ausruhen oder zur Ruhe kommen. Er hatte keine echte Attitüde der Sicherheit, die war aufgesetzt. Und es gab immer Personen, die es auf Konflikte anlegten und dann ihr Glück versuchten. Sie nahmen Simon nicht für voll, diskreditierten ihn, wurden anzüglich oder infam, demütigten ihn oder intrigierten. Es gab jede Form der Aggressivität, die aus der Antipathie herrührte und sich nicht vermeiden ließ, die er standesgemäß erdulden und freundlich bleiben musste. Für diese Härtefälle gab es die Depersonalisierungsstrategien, man nahm die Angriffe nicht persönlich und zog die Energie zur Abhilfe zusammen. Hierbei blieben Narben im Gemüt. Alles in allen kam es stets auf die Formvollendung an, um nach außen hin den Schein zu wahren. Simon konnte man heute beleidigen, er würde sich nichts anmerken lassen. Doch das war nicht immer so. Es fiel ihm als Kind sehr schwer den Widersinn zu begreifen, wo Gott ihm doch zwei Fäuste gegeben hatte, um andere zu belehren und einen allgewaltigen Sprachschatz, um ihnen gleich zu tun. Sein außerordentlicher Verstand ließ ihn frühzeitig verstehen, gegen die Verfluchung gab es keine Chance. Seit der Grundschule verstand er es, gefechtsbereit außer Haus zu gehen und perfektionierte sich. Heute war er ein hochgerüsteter Krieger im Kampf mit dem tradierten Unheil, welches sich nicht widerlegen ließ.

Die Poeta sammelte noch andere Fluchschwerpunkte und so existierten unter den Winkelssteinern auch mehrere betroffene Gruppen mit jeweils ihrer persönlichen Fluchproblemart. Solange bei den Winkelssteinern diese Eigenschaften weiter vererbt und getragen wurden, so lange würde das Unheil an ihnen haften bleiben können.

Natürlich setzten sich in jeder Generation einige über die Verfluchung hinweg, obwohl sie das Prädikat eines Fluches trugen. Sie glaubten nicht an die Poeta, sie bezweifelten die Existenz von Flüchen und ihre Wirksamkeit und sie lehnten die Schutzmaßnahmen als unnötig ab. Die Winkelssteiner analysierten schon immer alles haargenau und so war es Fakt, dass es genau diese Personen im Verlauf ihres Lebens traf und sie an genau der Verkettung von Umständen ums Leben kamen, deren Warnung sie in den Wind geschlagen hatten. Das bedeutete für alle, der Fluch schuf zuverlässig Konflikte und wer das Einmaleins der Konfliktvermeidung nicht drauf hatte, erlag ihnen. Andererseits konnte man auch gut gewappnet einen Fehler begehen und dann war es das auch. Es gab keine Sicherheit vor den Auswirkungen, die die Fluchserien programmiert hatten.

Der Hochzeitstag von Simon Einfried würde ein solcher Tag werden, wo der Fluch atmete. Simon spürte das. Er analysierte sofort die Blicke, als er neben dem Bräutigam die Wucht der Anstarrenergie abbekam und zählte drei Blicke, die bis unter die Haut stachen. Also musste er in der Kathedrale mit drei potentiellen Feinden rechnen. Deren Blickenergie besaß eine Verstärkung, die die allgemeine, tastende Neugierenergie stärker bündelte, und Simon konnte auch die Art der Verstärkung lesen. Zwei Blickpaare wurden durch die Libido aufgerüstet und das Dritte schoss ihn über den Spieltrieb ab: So viel er dem Energiewirbel des Schauens vieler auch entnehmen konnte, die Energienatur zu lesen war er nicht fähig. Das beherrschten nur die Feinstofflichen und die kannten damit sofort auch die Adresse des Betrachters. Simon entnahm seiner Analyse, es mussten Damen sein, die ihn unter Beschluss nahmen. Sie fielen ihm zwar auf, mussten jedoch nicht gefährlich sein, meinte er. Er wagte keinen Blick in Richtung erste Reihe, wo Simone saß und bemerkte somit nicht, welcher Hauch Panik in ihrem Blick sprach. Ihr waren die ungehörigen Blicke aufgefallen und sie konnte auch die Absender sehen und identifizieren. Sie bemühte sich verzweifelt darum mit Simon zu telepathieren, um ihn zu warnen, denn sie spürte das Miasma, auch wenn sie keine Ahnung von der Existenz der Poeta hatte.

Simon wurde von Woss res heimlich operiert und konnte darum plötzlich die Telepathie beherrschen. Zwar warnte Simone noch erfolgreich und Simon wusste sofort, was sie meinte, aber die Verwirrung über die neue Fähigkeit nahm alle ihre Aufmerksamkeit in Anspruch. Simon vergaß die Blicke, als Sofia einzog und alle Blicke auf sich zentrierte.

Der Ausmarsch hatte feste Regeln und Simon war an der Reihe zu folgen. Sein arglos freundliches Lächeln traf auf die Gräfin Barsolini, die nicht mehr auf ihrer Position stand und Simons Weg durch die Enge von Säule, Kanzel und Chor zu kreuzen im Begriff war. Ihr Blick besaß den Spielspaß gelangweilter Herzenskälte und Simon wusste auf Anhieb, sie musste die eine der Drei sein. Er hoffte, sie käme mit seiner Beschleunigung nicht mit und er könnte vor ihr die verwinkelte und sichtgeschützte Enge passieren, um rechtzeitig auf dem Teppich neben Simone zum Ausmarsch zu erscheinen und andererseits ihr und ihrem unlauteren Ansinnen zu entwischen. Er hielt die Luft an, er war ihr Ziel. Er stürmte elegant auf sie zu, um vor ihr um die Säule zu gelangen. Sie fixierte ihn und entschied, noch schneller zu sein. Er war ihr Target. Trotz der Alarmsignale ging er selbstbewusst auf sie zu. Sie kamen sich so nahe, wie es der Sicherheitsabstand verbot. Sie wich nicht zurück, sie war die Dame und erzwang ein Lady first. Das dachte Simon. Er stoppte, um nicht mit ihr zusammen zu prallen. Sie musste um die Vierzig sein und trug die Attitüde von Verschlagenheit im Gesicht. Sie wollte ihn. Da stoppte auch sie, eine halbe Armlänge vor seiner Nase mit süffisantem Grinsen, denn sie bog nicht ab, sondern stellte sich ihm in den Weg. Er wollte sofort zurückweichen, um sie herum hasten, doch bevor er auch nur einen Schritt tun konnte, griff sie ihm ins Gemächt.

Sein Antlitz glich einem Pokerface. Er sprang zurück, entwand sich ihrem fühlenden Griffen und beugte sich dienernd vor, um Höflichkeit vorzutäuschen und seine Kronjuwelen außer Reichweite zu bringen. Diese Kühnheit verfehlte ihre Wirkung nicht. Wie erstarrt sah sie ihn beflissen grüßen, ausweichend um sie huschen, um sie stehen zu lassen, als sei nichts geschehen. So etwas ihr! Simon hatte auf die Berührung hin sein Hologramm verloren, es schoss heraus, bis es sich hinter dem Altar verkriechen konnte. Was sollte er tun? Schnurstraks erreichte er Simone und ging wie ein Schauspieler selbstbewusst neben ihr her. Sein Hologramm beobachtete alle aus dem Hinterhalt.