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Bernadette Maria Kaufmann

Gedichtband

Printausgabe

1.

Frühwerk

Einzelwerk aus der

™Gigabuch-Bibliothek


Ein filigraner Geist beginnt frühzeitig seine Gedanken lyrisch zu entblättern, um daraus eine selbstverfasste Bibliothek zu erschaffen. Die Idee des Buches will einer solchen exorbitanten Explosion der Denkfähigkeit auf den Grund gehen und den Zauber einer geheimen Schreibstube lüften.

Gedichtband

 

 

Petra Mettke und Karin Mettke-Schröder

 

Denkentblätterung oder Gedankenherbstlaub

 

Gedichtband

Books on Demand GmbH, Norderstedt, 2004

ISBN 3-8334-2138-9

200 Seiten

Leseprobe aus dem Gedichtband

Lyrischer Teil

 

100 Gedichte/

Aphorismen

 

084 « Welk

085 « Eselei

Ich fühle mich wie ein welkes Blatt

An einem herrlich grünen Baum

Ein unangenehmer Außenseiter

Der störend das Bild entweiht.

 

Mit jedem Windhauch erfüllt mich Todesangst

Die mich weiter welken lässt

Denn ich hab’ keine Scheu vor den letzten Flug

Nur vor dem schrecklichen Riss.

 

Solang mir der Ast noch das Leben gewährt

Will ich als Blatt dem Winde trotzen

Mit ihm werd’ ich ziehen in die Ewigkeit

Hat sich die absolute Trennung vollzogen.

 

Für euch ihr Blätter kommt auch der Tag

An den ihr kraftlos zu Boden fallt

Nur braucht ihr weder vor eurer Zeit zu gehen

Noch sondiert sein für die kurze Lebenszeit.

 

Komm, mein Esel, komm schon – hopp

Setzt sich in Trab und reih dich ein

Denn alles, was du Esel hast

Sind deine flinken Bein.

 

Du gehst nur richtig, wenn du auch

Im vorgeschriebenen Trotte trabst

Über die steigst, die im Wege sind

Und dich an keinem Grashalm labst.

 

Du hast zwar kein Ziel, doch weich mir nicht ab

Vom Kurs, der dir zudiktiert

Und bockst oder springst oder stolperst gar

Wirst du mit Schlägen kuriert.

 

Du funktionierst nur, wenn du deine Pflicht erfüllst

Schließlich schiebt die Masse dich ja mit

Und wirst du mal krank, tja Esel dann

Kannst du spüren, wie die Masse dich tritt.

 

Vergebens wirst du fragen oder einen Ausweg suchen

Warum dir die schwere Last aufs Kreuz gelegt worden ist

Sie ist das Einzige, was du tun darfst

Weil du als Esel dieser Zeit geboren bist.

 

©  02.11.1983/PM

©  08.11.1983/PM

 

Prosaischer Teil

S. 148-153


Ein Frühwerk bietet einen spektakulären Einblick in den Prozess der Sozialisation als Heranwachsender. Das ist Transparenz des Schicksals, abseits von Rechtfertigung und Selbstüberschätzung. Die Erinnerungslegende, die man von sich im Laufe eines Lebens bildet, kann mit dem wirklichen Weg konfrontiert werden. Ein Frühwerk ist eine Konfrontation mit sich selbst. Niemand weiß im Voraus, ob er sich einmal im Laufe seines Lebens seiner Gedanken schämen muss, was man jedoch wissen kann, ist, wenn man ein Frühwerk unterlässt, verzichtet man gleichzeitig auf eigene Wahrheit über sich selbst. Und die kann einmal objektiv wertvoll sein.

Der Untertitel Ewiges Sterben des Gedichtbandes als Hauptmotiv ist keineswegs einseitig konzipiert, immer unter der dualen Betrachtungsweise individuell oder verallgemeinernd und bleibt nicht unbeantwortet. Das Motiv Tod/Unfreiheit hat ein Janusgesicht. Während die Autorin durch eine Erkrankung scheinbar den frühzeitigen Tod vor Augen hat, den sie als persönliche Unfreiheit ansieht, rückt sie nicht ihr Schicksal in den Mittelpunkt des Interesses, sondern eine politische Unfreiheit, die zeitgeistige Umstände auslösten.

Obwohl sie unter der doppelten Unfreiheit leidet, projiziert sie das Thema Unfreiheit insbesondere auf gesellschaftliche Kriterien, wobei ihre ethnologischen Studien der Ureinwohner Amerikas besonders auffallen. Nicht das Klischee vom Indianer, sondern das gleiche Schicksal der Unfreiheit wurde zum Vorbild.

Die Situationsbeschreibungen haben drei Aspekte der Betrachtungsperspektive, erstens die Unfreiheit, zweitens die Rebellion oder drittens die Freiheit, wobei die Autorin zu der erstaunlichen Essenz findet, dass Freiheit und Unfreiheit dann imaginäre Vorstellungen sind, beruhen sie nicht auf Erfahrung. Wer nur eine Seite kennt, lebt mit einem glorifizierten Vorurteil und maßt sich ein Rebellionsrecht an. Und im Falle der Erfahrung mit der anderen Seite? Auch diesen Aspekt durchdachte sie und ihre Gedankenentblätterung endete mit einem Erfahrungsvergleich: die Freilassung eines gezähmten Tieres. Das macht deutlich, dass die damals 23 Jährige aus der eigenen Erfahrung der Unfreiheit heraus die Erkenntnis gewonnen hatte. Jeder „Denkentblätterung“ der Autorin liegt eine Analyse und eine Essenz zugrunde, was etwas oberlehrerhaft wirkt. Die Sprache ist sachlich und mit einigen Ungereimtheiten, wo sie versucht, besonders lyrisch wirken zu wollen. Die Erkenntnistiefe der Gedichte ist höher als der perfekte Umgang mit dem Metrum.

Der Gedichtband ist keine Sozialisationsstudie, kein Rebellionsstück im persönlichen oder politischen Sinn, kein Stück auf der Suche nach Identifikation, schon gar nicht ein Selbstidentifikationsstück, sondern ein erstes geistiges Werk. Es geht mit verschiedenen Themen aus erworbenem Wissen um. Die Themen sind spezifisch, die Unterthemen sehr vielseitig. Auch wenn unbekannt ist, wie sie als Vorlage dienten, sind genug Reste des Fundus vorhanden, um durch eine Gegenüberstellung eines Unterthemas Kenntnisse über die Arbeitsweise der Autorin zu erfahren. Eines dieser Unterthemen ist das Pferd.

„Das Pferd ist der Erde schönstes Tier,

sehr rassig, schnell; ja und wir

bewundern der Natur ihr Kind,

weil wir von ihm gefangen sind.

 

Der Liebe Band hat uns verbunden,

womit die Angst ist ganz entschwunden.

Uns ist das Pferd ja in der Tat,

ein fester Freund, ein Kamerad.

Fundus vom 01.06.1976

Eine glorifizierte Hymne auf das Pferd zeugt nicht von Erfahrung mit dem Tier. Mädchen und Pferde sind ein Themenbereich der Psychologie geworden, der für eine gelungene Sozialisation junger Frauen steht. Von der bloßen Bewunderung bleibt im Gedichtband nicht viel. Erfahrungen und Erkenntnisse fließen ein. Perspektiven wurden gewonnen. Die Idealisierung von 1979 weicht einer Thematikgliederung. Im Gedicht Leidenschaft von 1981 stellt die Autorin das Thema Pferd als Objekt ihrer Leidenschaft vor. Die Darstellung der Haltungs- und Umweltbedingungen erweckt eher den Eindruck einer arkadischen Parodie, andererseits erscheint erst am Schluss das einigste persönliche Pronomen: wir. Sie teilt also ihre Leidenschaft mit einer Gemeinschaft, die Sozialisation ist vollzogen. In der ersten Verarbeitungsstufe passiert der Übergang vom ideellen zum realen Thema.

„Unten am Fluss,

Randidylle zwischen gestern und morgen.

Das Uhrwerk sind hier unsere Pferde,

die wir aus voller Leidenschaft umsorgen“.

Leidenschaft, Nr. 027, S. 38

Die Autorin bringt ihre Aussage auf den Punkt, indem sie die Milieubeschreibung zur Idylle steigert, um am Ende zu sagen „das Glück der Erde liegt in der Gemeinschaft der Pferdefreunde“. Während das Gedicht von 1981 stammt und die Schönheit des Hobbys beschreibt, verarbeitet sie 1983 ein negatives Ereignis, den Verlust ihres Lieblingspferdes Julia in dem Gedicht Abschied. Sie geht sehr nüchtern und subtil an die Schilderung, „Irgendwo in die Fremde, man hat dein Leben verkauft“ mit dem stillen Wunsch im Hinterkopf, dass das Tier überlebt. Wie hart der Verlust für sie tatsächlich ist, kommt schüchtern und bescheiden in der Schlusszeile. Es steckt viel Gefühl in den wenigen Zeilen. Einerseits klagt sie Versweise an, ein Pferd hat eine Würde als Lebewesen und ist kein austauschbares Objekt. Andererseits will sie kein Mitleid erwecken, obwohl der Verlust zu Herzen ging.

„Keine Träne begleitet unsere Trennung.

Vielleicht lebst du in der Fremde noch lang.

Niemals vergesse ich dich, liebe Julia.

Das einzige Pferd an dem mein Herz hang.“

Abschied, Nr. 077, S. 94

Das Unterthema Pferd als Trauerbewältigung zeigt im Mittelpunkt die Kritik am Umgang mit Lebewesen, erst dann kommt der persönliche Schmerz. In dieser zweiten Verarbeitungsstufe übt die Autorin Gesellschaftskritik. In einer weiteren Variante versetzt sie sich monologartig in die Perspektive des Pferdes, um zur Message zu finden:

„Meine Kraft sei dein,

solange ich bleibe, was ich bin

dein Pferd.“

Lebensstrom, Nr. 092, S. 109

Sie übt offen Kritik als Vertreter der Spezies Mensch an den tierischen Haltungsbedingungen, in dem sie auch die Perspektive des Pferdes vertritt und sie aus ihr heraus beantwortet. Eine indirekte Selbstkritik.

Ungefähr die Hälfte der Gedichte wurde in der Ich-Form geschrieben, etwa 15 % in der dritten Person, ca. ein Viertel ohne Subjekt, bemerkenswert dagegen ist, dass ca. 13 % monologartig anlegt wurden. Hier scheint der Urgrund zu liegen, warum die Autorin zu einem Stil fand, dessen Stärke die lebendige Sprache und der Dialog ist.

Typische Denkentblätterung ist z. B.:

„Du klagst,

zu eng ist dir diese Welt,

denn dich nerven ihre Probleme.

Du schreist,

alle Menschen sind primitiv,

denn sie hemmen deine Illusionen.“

Gedanken, Nr. 022, S. 33

Im Fundus sucht man dies vergebens, da die Gedanken erst entblättert werden mussten. Die Themenwahl erfolgte also nicht zeigefingererhebend und nur anklagend an Beispielen aktueller gesellschaftlich-politischer Ereignisse, ein Utopia fordernd, sondern engagiert in der Aufzeigung von Problemen und Problembewältigungsstrategien. Die Autorin gehört weder zur Riege der Unkenrufer oder Gerechtigkeitsfetischisten, sie ist viel zu sehr in der Wirklichkeit verwurzelt, um sich nur auf Lyrik zu konzentrieren. Das spürt man. Deshalb besteht das gesamte Frühwerk wohl aus verschiedenen Genre-Stücke; dem Gedichtband Denkentblätterung, dem Märchenbuch Geschichten aus der Märchenwelt, dem Kurzgeschichtenband Der erquickende Gast und dem Lustspiel Der Käse und sie erfüllen die Funktion von Gesellenstücken, auch wenn sie keine sind.

Auch banalste Erfahrungen lassen sich im Sozialisationsprozess als Schreibstube nutzen!

© PM+KMS